Klar: KI ersetzt Jobs, das hören wir inzwischen fast täglich. Aber wie sich das konkret anfühlt, wenn man davon betroffen sein könnte, zeigt der Fall des Freelancers Nils, der sich im KI-Podcast des BR gemeldet hat. Nils arbeitet seit 2021 selbstständig im Bereich 3D-Visualisierung, erstellt zum Beispiel Produktbilder oder Werbevideos.
Nils hatte sich bewusst darauf spezialisiert, weil ihm dieser Bereich als zukunftssicher erschien. Ein Trugschluss. Gerade erlebt er, wie KI seine Arbeit immer mehr übernimmt. Und der Wandel kommt enorm schnell. Auch Kollegen sind betroffen. Nils überlegt deshalb, die Branche zu verlassen und ganz woanders anzufangen, vielleicht im Rettungsdienst.
KI lässt Arbeitgeber zögern
Derzeit ist die Lage am deutschen Arbeitsmarkt insgesamt nicht gerade rosig. Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (externer Link) ist die Zahl offener Stellen gegenüber 2022 um fast die Hälfte zurückgegangen. Das liegt zum einen an der schwachen Konjunktur. Zum anderen verschärft sich die Lage auch, weil Unternehmen mit Neueinstellungen warten, solange unklar ist, welche Tätigkeiten künftig überhaupt noch Menschen erledigen müssen. Folge: Es gibt viel mehr Konkurrenz unter den Bewerbern, wie auch Untersuchungen belegen.
KI macht klassische Bewerbungen eher wertlos
Wer sich mit seiner Bewerbung von der Konkurrenz abheben will, hat es womöglich schwerer als in Vor-KI-Zeiten. Mit einem guten Anschreiben und einem geschliffenen Lebenslauf kann man kaum mehr punkten, das verfasst einem die künstliche Intelligenz in Sekundenschnelle.
Toby Stuart (externer Link), Professor an der Berkeley-Universität in Kalifornien, vertritt deshalb die These, dass persönliche Netzwerke und Abschlüsse an renommierten Hochschulen inzwischen wieder mehr zählen. Nach dem Motto: Wenn dein Papa im gleichen Golfclub spielt wie ich, gibt es schon mal eine Gemeinsamkeit. Das Problem: Soziale Herkunft und Beziehungen drohen, individuelle Fähigkeiten wieder in den Schatten zu stellen.
Welche Jobs KI killt und welche nicht
Alle Tätigkeiten, die ausschließlich oder überwiegend am Computer erledigt werden, stehen auf der Kippe. Besonders betroffen sind: die IT-Branche, Grafikdesign, 3D-Visualisierung, Videoproduktion und Kundenservice. KI kann inzwischen nicht nur Texte, Bilder und Programmcode erzeugen, sondern auch selbstständig komplexe Software bedienen. Videos zu bearbeiten, ist für künstliche Intelligenz kein Problem mehr.
Aufgaben, für die früher spezialisierte Fachkräfte viele Stunden benötigten, lassen sich so oft in wenigen Minuten erledigen. Schwieriger wird es für KI dagegen bei Tätigkeiten, die den direkten Kontakt mit Menschen erfordern. Oder anders gesagt: Die Grenze verläuft da, wo Aufgaben einen physischen Kontakt zur realen Welt erfordern.
Weiterbildung als wichtigste Antwort
Um im KI-getriebenen Arbeitsmarkt bestehen zu können, sollte man neugierig bleiben. Künstliche Intelligenz ist dabei nicht nur Bedrohung, sondern auch Chance. Sie ermöglicht ungeahnte Fortbildungsmöglichkeiten – noch nie war es so einfach, sich neues Wissen anzueignen. Onlinekurse renommierter Universitäten sind weltweit zugänglich.
KI kann individuelle Lernpläne erstellen und Nutzer bei ihren Lern-Projekten begleiten. Entscheidend ist dabei, KI nicht nur Aufgaben erledigen zu lassen, sondern die dahinterliegenden Prozesse zu verstehen. Wer sich mithilfe von KI weiterbildet, erwirbt so gleich zwei Kompetenzen: neues Fachwissen und Erfahrung im Umgang mit künstlicher Intelligenz.
🎧 Wie verändert KI unser Leben? Und welche KI-Programme sind in meinem Alltag wirklich wichtig? Antworten auf diese und weitere Fragen diskutieren Gregor Schmalzried, Marie Kilg und Fritz Espenlaub jede Woche in "Der KI-Podcast" – dem Podcast von BR24 und SWR.
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